Interferon

Interferon y ist als Zytokin für den Ablauf immunologischer Reaktionen essentiell. Es wird v.a. von den T-Lymphozyten nach Kontakt mit antigenpräsentierenden Makrophagen (Fresszellen) gebildet und hat sowohl eine antivirale als auch eine antitumorale Wirkung. y Interferon aktiviert innerhalb des Immunsystems bestimmte Abwehrzellen wie die natürlichen Killerzellen, Makrophagen und zellzerstörende T-Lymphozyten.

Interferone sind zum einen in der Lage das Wachstum von gesunden als auch von bösartigen Zellen zu hemmen, als auch dem Immunsystem anhand bestimmter Merkmale aufzuzeigen, ob eine Zelle durch ein Virus befallen wurde oder malige entartet ist. Ein intaktes Immunsystem registriert in der Regel eine Infektion mit Borrelien, was sich reflektorisch  in einem Anstieg des y- Interferonspiegels zeigt. Fress-und natürliche Killerzellen werden aktiviert und es kommt zu Fieber und grippeähnlichen Symptomen. Im Laufe der Zeit gelingt es den Borrelien aber mehr und mehr das Immunsystem zu täuschen und dadurch die y-Interferonproduktion auf ein Niveau zu drosseln, wo immunologische Reaktionen fast gänzlich zum Erliegen kommen. Während die Produktion von Interferon y unterdrückt wird, kommt es parallel zu einer überschießenden Produktion anderer Zytokine die die Entstehung von Entzündungsprozessen, Gewebszerstörung und Schmerzen provozieren.

Borrelien sind bis dato die einzigen bekannten Erreger, die dermaßen zu ihren Gunsten in die Interferonproduktion eingreifen können.

All diese Zusammenhänge erklären äußerst anschaulich das Phänomen, warum Patienten mit einer chronischen Borrelieninfektion so gut wie nie Fieber entwickeln. Ohne einen physiologischen y Interferonspiegel ist die Entwicklung von Fieber nicht möglich.

Borrelien sind im Gegensatz zu anderen Bakteriengattungen sehr Temperatur empfindlich. Während andere Bakterien Temperaturen bis zu 60 Grad vertragen, wird es für Borrelien schon ab 38 Grad kritisch. So bevorzugen Borrelien eine „Wohlfühltemperatur“ von 35 Grad und oft gelingt es ihnen über noch unbekannte Mechanismen in die komplexen Regelkreise der Thermoregulation einzugreifen und die Körpertemperatur in einen Bereich von 35 Grad herunterzuregulieren. So klagen Borreliosekranke häufig über Frösteln, Kälteempfinden und kalte Hände und Füße.

Durch Modifizierung der Zytokinaktivität und Unterwanderung des Immunsystems kommt es zu einer drastischen Reduktion von Anzahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen. Natürliche Killerzellen sind jedoch zur Erreger-und Infektabwehr obligat. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Patienten mit chronisch persistierender  Borreliose auch Probleme bei der Bekämpfung anderer intrazellulärer Erreger wie Chlamydien, Riekettsien, Bartonellen, Yersien etc. , von Virusinfektionen, Pilzen und auch von Krebszellen haben. Aus dem Ruder geratene Zytokine führen zu einer Vielzahl von Symptomen und Funktionsstörungen, die von grippeähnlichen Beschwerden, neurologischen und hormonellen Problemen bis hin zu einer narkotischen Müdigkeit reichen können. Durch die gedrosselte Zytokinaktivität fallen Entzündungswerte wie Blutsenkung, CRP etc. vergleichsweise niedrig aus oder liegen innerhalb der Norm. Die Entzündungsreaktion zur Überwindung der Infektion bleibt somit aus.

Jetzt Kontakt aufnehmen